Programmreihe „Das Problem heißt Rassismus!“

Die Programmreihe „Das Problem heißt Rassismus!“ setzt sich mit Rassismus in seinen verschiedenen, auch mit anderen Macht- und Gewaltverhältnissen verwobenen, Formen auseinander und zeigt Möglichkeiten des aktiven Handelns, des Widerstands und Empowerments auf. Die Reihe wird vom Ringlokschuppen Ruhr und dem Bahnhof Langendreer veranstaltet. Das Literaturbüro Ruhr ist Kooperationspartner der Lesungen.

Die Teilnahme an den Veranstaltungen der Reihe ist kostenlos. Wir bitten um Spenden für die Initiative 19. Februar: https://19feb-hanau.org/spende

Mithu Sanyal „Identitti“

Samstag, 24. Juli 2021 | 20 Uhr | Ringlokschuppen Ruhr Mülheim | Teilnahme kostenlos

Mithu Sanyal, Foto: Guido Schiefer

Für so viel Aufsehen, Aufregung und Begeisterung sorgte ein Romandebüt selten. Die Düsseldorfer Kulturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin Mithu Sanyal verpackt in Identitti alle heißdiskutierten Themen unserer Gegenwart lustvoll und mit viel Humor. Die rasante Erzählung um die als weiß entlarvte Star-Professorin der Posktolonial Studies Prof. Dr. Saraswati und ihre identitässuchenden Student*innen of Colour führt die Notwendigkeit, aber auch die Absurdität aktueller Debatten um Identitätspolitik vor. Mithu Sanyal nimmt ihre Leser*innen mit auf einen Ritt durch die akademische Bubble und das Twitteruniversum, der zu neuen Erkentnissen und noch mehr offenen Fragen führt.

Dr. Mithu M. Sanyal ist Autorin (Vulva – eine Kulturgeschichte des weiblichen Genitals (2009), Vergewaltigung – Aspekte eines Verbrechens (2016) und Identitti (2021)), Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Für ihre Hörspiele und Feature hauptsächlich für den WDR erhielt sie dreimal den Dietrich Oppenberg Medienpreis der Stiftung Lesen. Arbeit für diverse Sender und Zeitungen, wie den BR, SWR, Deutschlandfunk, Bundeszentrale für Politische Bildung, DIE ZEIT, MISSY Magazine, SPEX, Konkret, Vice.

Moderation: Antje Deistler

Mark Terkessidis „Wessen Erinnerung zählt“

Sonntag, 26. September 2021 | 12 Uhr | Ringlokschuppen Ruhr Mülheim | Teilnahme kostenlos

Mark Terkessidis, Foto; Andreas Langen

Über den deutschen Kolonialismus wird in den letzten Jahren heftig diskutiert. Straßennamen, Denkmäler, die Sammlung von Museen, Geschichtsunterricht – vieles steht dieser Tage auf dem Prüfstand. Dass die Kolonialperiode in afrikanischen Ländern in die Erinnerung zurückkehrt, ist zweifellos erfreulich, aber sollte in der „postkolonialen“ Sichtweise nicht auch das deutsche Eroberungsstreben in Richtung Osten eine Rolle spielen? 150 Jahren waren hauptsächlich polnischsprachigen Gebiete von Preußen oder dem Deutschen Reich besetzt – warum nenen wir das nicht Kolonialismus?

Und was bedeutet das für unsereren Rassismusbegriff, der zunehmend nur noch in den Kategorien von „weiß“ und „schwarz“ funktioniert? Der lange Schatten der deutschen „Kulturmission“ findet sich heute in vielen Phänomenen – im Umgang mit der „Schuldenkrise“, mit Migration und Flucht und im alltäglichen Rassismus.

Mark Terkessidis, freier Autor und Migrationsforscher, lebt in Berlin und Köln. Beiträge zu den Themen Jugend- und Populärkultur, Migration und Rassismus in „tageszeitung“, „Die Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Freitag“, „Tagesspiegel“, „Literaturen“, „Texte zur Kunst“, etc. sowie für den „Westdeutschen Rundfunk“, „Radio Bremen“ und „DeutschlandFunk“.

Nino Paula Bulling und Anne König „Bruchlinien – Drei Episoden zum NSU“

Oktober 2021, Datum und Uhrzeit tba | Bahnhof Langendreer | Teilnahme kostenlos

Der NSU-Prozess lässt wie unter einem Brennglas Bruchlinien sichtbar werden, die sich durch Deutschland ziehen. Der Comic rekonstruiert drei Episoden, die im fünfjährigen Gerichtsprozess unter den Tisch gefallen sind. Ergänzend zu den Bildgeschichten erscheinen Gespräche: mit Candan Özer-Yilmaz, Witwe von Atilla Özer, Ayse Güleç, Mitbegründerin der »Initiative 6. April« zur Aufklärung des Mordes an Halit Yozgat, Sebastian Scharmer, Nebenklagevertreter von Gamze Kubasik, den Journalisten Christian Fuchs und Toralf Staud, sowie Barbara John, Ombudsfrau für die Opfer des NSU.

Nino Paula Bulling studierte an der Hochschule für Kunst und Design in Halle an der Saale und arbeitet freiberuflich als Illustrator*in & Comiczeichner*in in Berlin. Anne König ist Autorin sowie Verlegerin von Spector Books in Leipzig.

Die Veranstaltung wird durch das Bundesprogramm „Neustart Kultur“ gefördert.

 

Olivia Wenzel „1000 Serpentinen Angst“

Performance

11. November 2021 | Uhrzeit: 20 Uhr | Ringlokschuppen Ruhr Mülheim | Teilnahme kostenlos

Filmstill aus 1000 serpentinen angst (Trailer), Copyright | © Hai Anh Trieu, Olivia Wenzel, Philipp Rühr

„Ich habe mehr Privilegien, als je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann. Am Tag der Bundestagswahl versuche ich ihr mit dieser Behauptung 20 Minuten lang auszureden, eine rechte Partei zu wählen.“

Vielstimmig und mit Witz schreibt Olivia Wenzel über Verlust und Angststörungen, Herkunft und Rassismus, Flirts mit dem Kapitalismus oder immer wiederkehrende Begegnungen mit Snackautomaten. Seit dem Erscheinen ihres Debütromans 1000 Serpentinen Angst sind anderthalb Jahre vergangen – Zeit für eine Bilanz: Wie wurde der Roman von wem aufgenommen und warum? Was ereignete sich Absurdes in Instagram-Lesungen? Und welche Fragen wurden bisher nicht gestellt?

Die Performance verschränkt Feedbacks verschiedener Art: öffentliches, privates, klangliches. Lesungen, Videoarbeiten, Livemusik und Talks gehen assoziativ ineinander über. Die Frage „Wo bist du jetzt?“, mit der die Ich-Erzählerin des Romans ständig konfrontiert wird, ist Gravitationszentrum, produktives Abschweifen von dieser Frage das Motto.

Von und mit Banafshe Hourmazdi, Malu Peeters, Minh Duc Pham und Olivia Wenzel

Lesung

12. November 2021 | Uhrzeit: 20 Uhr | Bahnhof Langendreer Bochum | Teilnahme kostenlos

Olivia Wenzel, Foto: Juliane Werner

Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit siebzehn ums Leben kam. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden.

Olivia Wenzel, 1985 in Weimar geboren, Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis an der Uni Hildesheim, lebt in Berlin. Sie schreibt Theatertexte und Prosa, machte zuletzt Musik als Otis Foulie. Wenzels Stücke wurden u.a. an den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater, am Deutschen Theater Berlin und am Ballhaus Naunynstrasse aufgeführt. Neben dem Schreiben arbeitet sie in Workshops mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der freien Theaterszene kollaboriert sie als Performerin mit Kollektiven wie vorschlag:hammer. »1000 Serpentinen Angst« ist ihr erster Roman.

 

WEITERHIN ONLINE VERFÜBAR: Alice Hasters „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen – aber wissen sollten“

Alice Hasters, Foto: H. Henkensiefken www.pixxwerk.de
Alice Hasters, Foto: H. Henkensiefken www.pixxwerk.de

„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Wo kommst du her?“ Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören. Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.

Moderation: Fatima Khan

Diese Veranstaltung fand am 22. März 2021 digital statt. Sie ist weiterhin unter folgendem Link abrufbar:

https://youtu.be/iaN_L8g0wyA
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Förderer der Reihe: