Literaturpreis Ruhr 2020: Die Preisträger*innen stehen fest!

Der Hauptpreis geht an:

Enis Maci für den Essayband „Eiscafé Europa“ (Suhrkamp)

Foto: Max Zerrahn

Enis Maci, geboren 1993 in Gelsenkirchen, hat Literarisches Schreiben in Leipzig und Kultursoziologie in London studiert. 2010 gewann sie den Förderpreis des Literaturpreis Ruhr. Ihr erstes Stück, Lebendfallen, wurde 2018 am Schauspiel Leipzig uraufgeführt. 2018 und 2019 wurde sie in der Kritikerumfrage von Theater heute zur »Nachwuchsdramatikerin des Jahres« gewählt. 2019 war sie für das im Wiener Schauspielhaus aufgeführte Stück Mitwisser für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. In der Spielzeit 2018/19 war Enis Maci Hausautorin am Nationaltheater Mannheim und Stipendiatin der Villa Concordia.

Der Hauptpreis des Literaturpreis Ruhr ist mit 15.000 Euro dotiert.

Zuletzt standen fünf Titel auf der Shortlist.

Die Jurybegründung in 3 Stimmen:

Alexandra Pontzen: „Enis Maci verkörpert eine Autorinnengeneration, die interessant ist, zeitgemäß ist, etwas Neues bietet, gerade in dieser Kombination aus Post-Pop, bisschen Punk, bisschen Sido, bisschen Alexander Kluge, viel Feminismus, auf eine neue, kämpferische Art und Weise und das Ganze als jemand, der im Ruhrgebiet aufgewachsen und sozialisiert ist und für den das eine Rolle spielt, ohne dass sie das sentimentalisiert. Das ist für uns als Menschen, die sich mit Ruhrgebietsliteratur beschäftigen, ein interessanter Aspekt. Das ist kein sentimentales Rührstück der strukturwandelgeschädigten Region, sondern das ist vital und trotzdem realistisch.“

Karla Paul: „Enis Maci schafft es, sowohl im Stil als auch in der Handlung die wichtigsten Themen ihrer Generation zu behandeln. Sie wechselt die Perspektiven ebenso schnell wie glaubwürdig, bindet das Digitale ein, Heimat, Liebe, Migration, strukturelle Benachteiligung, Ängste, aber auch über den Mut für die gemeinsame Zukunft.“

Jens Dirksen: „Wir haben in Enis Maci einen Fall, wo die multikulturellen Bedingungen des Ruhrgebiets zu einer Intellektualität geführt haben, die man sonst nirgendwo in diesem Land findet. Das ist tatsächlich was ganz Eigenes, das ist die Direktheit und Rustikalität des Ausdrucks, das ist aber eben gepaart mit einer intellektuellen Spitzenleistung, mit Bildung, es ist großartig!“

 

Der Förderpreis geht an:

Anne Becker für ihren Debütroman „Die beste Bahn meines Lebens“ (Beltz & Gelberg)

Autorinnenfoto: Paula Hildebrand. Collage: Literaturbüro Ruhr

Anne Becker, geboren 1975, studierte Sonderpädagogik in Heidelberg. Sie arbeitet als Förderschullehrerin und lebt mit ihrer Familie in Essen. „Die beste Bahn meines Lebens“ ist ihr erstes Buch. Es handelt von den Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten von Jan, 13, der zugleich ein hervorragender Schwimmer ist – und von seiner ersten Liebe, dem Nachbarmädchen Flo.

Jurybegründung: Anne Beckers Buch beeindruckt durch seine lakonisch-unpathetische Sprache, raffinierte Perspektivenwechsel und eine originelle Figurenzeichnung. Ohne erkennbar pädagogische Absicht präsentiert der Roman die unterschiedlichen Stärken junger Menschen und zertrümmert gängige Vorurteile.

Der Förderpreis beim Literaturpreis Ruhr geht an den literarischen Nachwuchs und ist mit 5000 Euro dotiert.

 

Den Ehrenpreis bekommt:

Herbert Knorr für seinen Einsatz für die Literatur im Ruhrgebiet seit mehr als 40 Jahren

Autorenfoto: Christina Förster. Collage: Literaturbüro Ruhr

…als Autor, Herausgeber, Literaturwissenschaftler, Festivalveranstalter (etwa „Mythos Zeitenwende“ oder „Mord am Hellweg“), Netzwerker (literaturland westfalen „lilawe“, literaturgebiet.ruhr), langjähriger Leiter des Westfälischen Literaturbüros in Unna e. V. (bis April 2020) und leidenschaftlicher Streiter für die Literatur im Allgemeinen. Der 1952 geborene Gelsenkirchener schreibt selbst seit den 1970er Jahren und veröffentlichte Dutzende Aufsätze, Kurzgeschichten, Sachbücher oder Romane, oft mit Themen aus und über das Ruhrgebiet.

Als Kultur- und Literaturmanager war er von 1988 bis 1993 bei der Gruppe  Gelsenkirchener Autoren und in Unna seit 1994 tätig und stieß in seiner Laufbahn viele literarische Reihen und innovative, beispielgebende Großprojekte an, darunter die Ferienakademie NRW für junge Schreibende (seit 1997). Auch im erst kürzlich angetretenen Ruhestand bleibt Herbert Knorr der Festivalleitung von Mord am Hellweg und dem Westfälischen Literaturbüro in Unna zukünftig als Berater erhalten.

Foto: Thomas Blachetzki

 

 

Wer den Ehrenpreis zugesprochen bekommt, wird nicht von einer Jury, sondern vom Regionalverband Ruhr in Zusammenarbeit mit dem Literaturbüro Ruhr direkt bestimmt. Die Skulptur für den Ehrenpreis zum Literaturpreis Ruhr wurde vom Künstler Peter Schloss entworfen.