Anlaufstelle der Szene im Literaturgebiet

Als Einrichtung der Autoren-, Lese- und Literaturförderung wurde das Literaturbüro Ruhr 1986 gegründet. Wie auch die anderen nordrhein-westfälischen Literaturbüros in Düsseldorf, Unna, Detmold und Bonn arbeitet es grundsätzlich landesweit, wobei der Schwerpunkt auf der Region liegt, in seinem Fall also auf dem Ruhrgebiet.

Nach Herbert Somplatzki und Gerd Herholz hat die Journalistin Antje Deistler die Leitung des Literaturbüros im Juni 2018 übernommen. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen Katharina Majer und Ronja Kokott will sie neue Impulse setzen und die Zusammenarbeit mit allen literarischen Akteuren stärken. „Das Literaturbüro Ruhr leistet schon lange vorbildliche Arbeit, die ich gern fortführen und auf eine neue Ebene heben möchte. Zusammen mit der gesamten Literaturszene im Ruhrgebiet, durch landesweite Kooperation und eine gut koordinierte, verstärkte Öffentlichkeitsarbeit“, so Antje Deistler. Inhaltlich möchte sie der Leseförderung und der Förderung der Kinder- und Jugendliteratur zukünftig größere Aufmerksamkeit widmen.

Zu den Kontinuitäten gehört, dass das neue Team des Literaturbüros Ruhr auch in Zukunft den Weiterbildungskalender für Autorinnen, Autoren und Literaturvermittler herausgeben wird, in dem die NRW-Literaturbüros alljährlich ihre Seminare und Workshops veröffentlichen. Zudem führt das Büro die Organisation des Literaturpreises Ruhr fort, der von ihm bereits seit 1986 gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) ausgeschrieben und vergeben wird und dessen Budget für den Hauptpreis und die zwei Förderpreise erst kürzlich auf 36.500 Euro aufgestockt wurde. Die Preisverleihung soll möglichst zum wichtigsten Termin des Jahres werden, an dem die gesamte Literaturszene des Ruhrgebiets zum Feiern und Netzwerken zusammenkommt.

Gemeinsame Dachmarke der Szene im Revier: literaturgebiet.ruhr

Für das selbstgesteckte Ziel, die Vernetzung der Literaturszene an der Ruhr zu stärken und auch nach außen für Publikum und Sponsoren sichtbarer und attraktiver zu machen, spielt das ebenfalls im Sommer gegründete neue Netzwerk literaturgebiet.ruhr eine zentrale Rolle. Auf Wunsch der Mitglieder wirkt das Literaturbüro Ruhr seit September 2018 als federführende Organisation, wird zentrale Ansprechstelle für Partner und Geldgeber, es soll Kooperationen unter den beteiligten Einrichtungen anregen und ausbauen, inhaltlichen Input auch für gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen liefern und die Arbeit insgesamt koordinieren.

Neuaufstellung des Literaturbüros Ruhr als „Spinne im Netzwerk“

Das Literaturbüro Ruhr ist dabei, seine Rolle, seine Aufgaben und Schwerpunkte angesichts der veränderten Bedingungen und neuen Strukturen der Literaturlandschaft in Nordrhein-Westfalen neu zu definieren. Seit der Gründung ist die Literaturszene auch im Ruhrgebiet gewachsen. Zahlreiche kleine und große Organisationen arbeiten inzwischen auf lokaler und regionaler Ebene. Wieviel das Ruhrgebiet im Bereich der Literatur zu bieten hat, möchte das Netzwerk literaturgebiet.ruhr stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Denn an sichtbarer und gemeinsamer Öffentlichkeit und an regionaler Zusammenarbeit der überaus vielfältigen Literaturszene hat es seit Jahren gefehlt, selbst wenn es immer wieder auch städteübergreifende Kooperationen wie beim Festival „Mord am Hellweg“ oder auch regionale Veranstaltungsreihen der Literaturbüros in Gladbeck und Unna gegeben hat.

Das literaturgebiet.ruhr soll mehr als eine gemeinsame Werbefläche für Organisationen und ihre Veranstaltungen sein, es soll ein auch inhaltlich und konzeptionell zusammenarbeitendes Netzwerk werden. Die zentrale Rolle in Sachen Management und Koordination fällt dabei dem Literaturbüro Ruhr zu. Es wird sozusagen die „Spinne im Netzwerk“ sein, die alle Fäden zusammenhält und neue Bande knüpft.

In diesem Zusammenhang ändert sich auch die Rolle des Literaturbüros als Veranstalter. Es hat bisher sozusagen die Arbeit eines Literaturhauses für eine gesamte Region getan, es hat wunderbar konzipierte Herbstreihen zu verschiedenen Themen und Einzelveranstaltungen im Frühjahr durchgeführt, und das in den verschiedenen Städten an Rhein, Ruhr und Emscher – zum Teil in Kooperation mit anderen Veranstaltern, zum Teil trat es mit seinen Lesungen aber auch in Konkurrenz zu der gewachsenen Anzahl an lokalen Institutionen. Doch das Literaturbüro Ruhr muss längst nicht mehr allein den Motor dafür spielen, dass es im Revier Literaturveranstaltungen gibt. Es wird zwar weiterhin ein Veranstalter im Bereich der Literatur sein, aber dies vor allem als federführende Organisation des oben beschriebenen Netzwerks.